BAG stellt klar: Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeitszulagen unterliegen nicht der Pfändung

Das BAG hat in seinem Urteil vom 23.08.2017 entschieden, dass Zulagen für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit nicht pfändbar sind, soweit sie der Höhe nach üblich sind.

Aber das BAG sagt auch: Die Zulagen für Schicht-, Samstags- oder sog. Vorfestarbeit sind dagegen nicht der Pfändung entzogen.

Hinsichtlich der Frage, in welchem Umfang und welcher Höhe Zuschläge für Sonntags- , Feiertags- und Nachtarbeit als “üblich” und damit unpfändbar i.S.v. § 850a Nr. 3 ZPO anzusehen seien, kann an die Regelung in § 3b EStG angeknüpft werden, so das BAG.

Der Sachverhalt:

Die Klägerin arbeitet bei der Beklagten, die Sozialstationen betreibt, als Hauspflegerin. Nach einem zwischenzeitlich aufgehobenen Insolvenzverfahren befand sich die Klägerin in der sog. Wohlverhaltensphase, in der sie ihre pfändbare Vergütung an einen Treuhänder abgetreten hatte. Im Zeitraum Mai 2015 bis März 2016 führte die Beklagte von der jeweiligen Nettovergütung der Klägerin den sich aus ihrer Sicht ergebenden pfändbaren Teil der Vergütung an den Treuhänder ab. Dabei berücksichtigte sie auch die an die Klägerin gezahlten tarifvertraglichen Zuschläge für Sonntags-, Feiertags-, Nacht-, Wechselschicht-, Samstags- und Vorfestarbeit als pfändbar. Die Klägerin, die diese Zuschläge als unpfändbare Erschwerniszulagen i.S.v. § 850a Nr. 3 ZPO ansieht, begehrt von der Beklagten Zahlung von insgesamt 1.144,91 Euro, die diese zu viel an den Treuhänder abgeführt habe.
Die Vorinstanzen hatten der Klage stattgegeben!

Das BAG hat auf die Revision der Beklagten das Urteil des Landesarbeitsgerichts aufgehoben.

Nach Auffassung des BAG haben die Vorinstanzen allerdings zutreffend angenommen, dass Zulagen für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit Erschwerniszulagen i.S.v. § 850a Nr. 3 ZPO und deshalb unpfändbar sind. Der Gesetzgeber habe in § 6 Abs. 5 ArbZG die Ausgleichspflichtigkeit von Nachtarbeit geregelt, die von ihm als besonders erschwerend bewertet worden sei. Sonntage und gesetzliche Feiertage stünden kraft Verfassung (Art. 140 GG i.V.m. Art. 139 WRV) unter besonderem Schutz. § 9 Abs. 1 ArbZG ordne an diesen Tagen ein grundsätzliches Beschäftigungsverbot an. Damit gehe der Gesetzgeber auch hier von einer Erschwernis aus, wenn an diesen Tagen dennoch gearbeitet werde.

Eine entsprechende gesetzgeberische Wertung gebe es für Schicht-, Samstags- und Vorfestarbeit hingegen nicht. Zudem sei zu berücksichtigen, dass die Sonderregelung des § 850a ZPO zwar dem Schuldnerschutz diene und diesem einen größeren Teil seines Nettoeinkommens als unpfändbar belassen will. Angesichts der ebenso in den Blick zu nehmenden Gläubigerinteressen bedürfe die in § 850a Nr. 3 ZPO geregelte Unpfändbarkeit von Erschwerniszulagen aber einer sachlichen Begrenzung.

Das BAG konnte nicht abschließend entscheiden, da zur genauen Höhe der zu Unrecht an den Treuhänder abgeführten Vergütung eine weitere Sachaufklärung erforderlich sei.

Quelle: Pressemitteilung des BAG Nr. 34/2017 v. 23.08.2017;

www.juris.de/jportal/portal/page/homerl.psml?nid=jnachr-JUNA170805017&cmsuri=%2Fjuris%2Fde%2Fnachrichten%2Fzeigenachricht.jsp

Fazit:

Achten Sie deshalb immer auf den konkreten Betrag, den Ihr Arbeitgeber an Ihren Insolvenzverwalter abführt und kontrollieren Sie Ihre Gehaltsabrechnung entsprechend – jeden Monat!

Professionelle Personal- und Lohnbuchhaltungssysteme sollten zwar imstande sein, automatisch den korrekten pfändbaren Betrag zu ermitteln, aber wie heißt es doch so schön: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

 

Für eine kompetente und v.a. ehrliche Beratung zu insolvenzrechtlichen Fragestellungen berät Sie Herr Rechtsanwalt Armin Scheugenpflug.

Nehmen Sie gerne unverbindlich per Email Kontakt auf: as@kuendigungsschutz-hamburg.com!